Was ist intuitives Schreiben?
Dieser Artikel besteht aus 993 Wörtern, ungefähr 2,5 Seiten. Die Lesezeit wird 4 bis 5 Minuten dauern. Es hat ungefähr 2 Stunden gedauert, diesen Artikel zu verfassen.
Viele Menschen werden es kennen: Ob man ein privates Tagebuch führt, einen Artikel verfasst oder für Schule oder Universität ein Referat vorbereitet – die Ideen kommen oft erst, wenn man „richtig“ losgelegt hat. Man wird beim Schreiben quasi durch das Schreiben selbst inspiriert. Mir jedenfalls geht es so.
Dabei befinde ich mich, meinem subjektiven Gefühl nach, in einem anderen Bewusstseinszustand. Ich bin gar nicht im „Hier und Jetzt“, sondern „irgendwo anders“, wo auch immer das sein mag. Dass man „dort woanders“ gewesen ist, merkt man, wenn man durch äußere Umstände aus dieser kreativen Phase gerissen wird. Etwa, wenn Mark Zuckerberg eine SMS schickt, um nachzufragen, ob ich zum Meeting nachher komme, und diese schnell beantwortet werden muss. Oder wenn das lästige WhatsApp um unsere Aufmerksamkeit bittet. Man kümmert sich also um Zuckis SMS oder was auch immer und will danach weitermachen. Nur …
… es geht dann nicht mehr!
Man spürt, dass man nicht mehr „dort woanders“ ist. Die „Puste“ ist einfach raus, der Faden ist verloren gegangen. Bei mir stellt sich dann auch eine innere Leere ein. Ich muss vollständig abbrechen, etwas anderes tun und zu einem späteren Zeitpunkt versuchen, „dorthin“ zurückzukehren – wenn ich in der richtigen Gemütsverfassung bin, um den verlorenen Faden hoffentlich wiederzufinden und ihm erneut zu folgen.
Diese kreativen Schreibphasen, die viele Menschen kennen, finden im Unterbewusstsein statt. Intuition ist eigentlich nichts anderes, als in das eigene Unterbewusstsein „hinabzusteigen“, wo ich bildlich gesprochen mit dem ganzen Universum verbunden bin. Dort kann ich recherchieren und sogar nachdenken und werde zu ganz anderen Ergebnissen kommen, als wenn ich nur im normalen Alltagsbewusstsein, mit der Ratio, mit meinem Alltagsverstand, etwas durchdenke. Der Alltagsverstand ist nämlich nicht besonders leistungsfähig. Er ist durch unser Gehirn begrenzt und kognitiv eingeschränkt. Deswegen kommt es kaum zu zivilisatorischen Durchbrüchen, die allein auf dem Alltagsverstand im Wachzustand beruhen.
Alle Kreativen, ob Künstler, Schriftsteller, Grafikdesigner oder Naturwissenschaftler, schöpfen daher aus dem Unterbewussten, selbst wenn sie überzeugte Atheisten sind. Intuition bedeutet nichts anderes, als im Wachbewusstsein an dieses Unterbewusstsein angekoppelt zu sein, das mit allem und jedem verbunden ist.
Ich denke, dass jeder Mensch in jeder Nacht die Grenzen seines Körpers verlässt und sich „dort woanders“ aufhält. Nur vergisst er es beim Aufwachen wieder.
Wer nicht schläft, sondern im Wachzustand in einem kreativen Schreibprozess ist, kann ebenfalls in das Unterbewusstsein gehen. Es ist nur schwieriger, und das ist vermutlich der Grund, warum nicht jeder Mensch derartige Schreibprozesse so erlebt, wie ich sie hier schildere. Im Schlaf kann es jeder und tut es auch, vergisst es aber meistens wieder. Am Tag, im Wachbewusstsein, gelingt es nur, wenn man sich darauf einlassen kann und vielleicht eine Veranlagung dafür hat.
Im kreativen Schreibzustand gehe ich wie ein Seilakrobat über ein dünnes Seil, um das andere Ende einer Schlucht zu erreichen. Die eine Seite der Schlucht ist unser normales Alltagsbewusstsein im Wachzustand, die andere Seite das Unterbewusste. Das Seil ist die Möglichkeit, hinüberzugelangen. Man sollte sich dabei also nicht von Zucki & Co ablenken lassen.
Das gilt nicht nur für Social Media, sondern für alles, was den Verstand als Akteur auf den Plan ruft: Der Fernseher meiner Familienmitglieder nebenan ist zu laut, das Festnetztelefon klingelt, oder ich zwinge mich, mitten im Schreiben den Text auf Rechtschreibfehler zu kontrollieren. All das führt bildlich gesprochen dazu, dass ich auf dem Seil über der Schlucht unruhig werde. Ich beginne zu schwanken oder drehe um und gehe zurück, anstatt weiter in Richtung Unterbewusstsein zu gehen.
Beim intuitiven Schreiben hat es oberste Priorität, die Ratio nicht zum Zuge kommen zu lassen und jeden Gedankenfetzen sofort festzuhalten. Denn sobald man diesen Zwischenzustand zwischen den Bewusstseinsebenen verlassen hat, beginnt man das Erfahrene wieder zu vergessen. Deshalb ist die Rechtschreibkontrolle in dieser Phase absolut überflüssig. Sollen doch so viele Schreibfehler wie möglich vorhanden sein! Hauptsache, die Information, die kreative Idee, ist gerettet. Die Rechtschreibung kann man später im Wachbewusstsein erledigen – entweder selbst, wenn man es kann, oder, wie in meinem Fall früher mit Duden & Co und neuerdings mit Claude & Co.
Beim kreativen, intuitiven Schreiben ist man also beides: irgendwie im Alltagsbewusstsein, inklusive des Verstandes, aber auch schon drüben auf dem Seil, in der Nähe der anderen Seite der Schlucht. Deswegen kann ich Informationen aus dem Unterbewusstsein abschöpfen und Haiku oder Sonnet (zwei Modelle der KI Claude) einen Rechercheauftrag stellen, um eine intuitive Eingebung zu prüfen. Trifft die Antwort ein, kann ich sie gleich im Unterbewusstsein weiterbewegen und zu neuen Erkenntnissen kommen.
Das klappt gut, aber nur, wenn nicht plötzlich eine Nachfrage von Haiku kommt, ob irgendein Skript ausgeführt werden darf. Passiert das, bin ich raus, so, als würde mein Smartphone wegen Zuckis SMS bimmeln.
Um dem vorzubeugen, habe ich Claude Code so eingestellt, dass Haiku, Sonnet und Opus Narrenfreiheit haben und bei meinen Arbeitsaufträgen nicht mehr nachfragen müssen. Ungeachtet der Horrormeldungen auf YouTube ist bisher auch alles gut gegangen, und ich gehe fest davon aus, dass es so bleibt.
Meine Ausarbeitungen und Homepage-Artikel entstehen meistens in verschiedenen Phasen: durch intuitives Schreiben, durch bewusstes Reflektieren, neuerdings mit Hilfe von Claude Code, und durch Tagträume bei Spaziergängen. Sind alle drei Phasen durchlaufen, ist ein Artikel so weit fertig, dass er in die finale Phase gehen kann.
Ich lade Sie ein, es selbst auszuprobieren. Legen Sie das Smartphone in ein anderes Zimmer, schalten Sie die Rechtschreibprüfung aus und schreiben Sie zwanzig Minuten lang, ohne anzuhalten und ohne zu korrigieren. Schreiben Sie auch dann weiter, wenn Sie nicht wissen, wohin der Satz führt. Vielleicht spüren Sie irgendwann, dass der Text Sie zu führen beginnt und nicht mehr Sie den Text. Dann stehen Sie auf dem Seil.
Und wenn Sie später zurückblicken: Wo haben Sie diesen Zustand schon einmal erlebt, ohne ihn zu beachten? Beim Briefeschreiben, beim Zeichnen, in einem Gespräch, in dem Ihnen plötzlich Gedanken kamen, die Sie selbst überrascht haben? Es würde mich nicht wundern, wenn es mehr solcher Momente gibt, als Sie denken. Das Seil ist vermutlich für jeden Menschen gespannt. Man muss nur den Mut haben, den ersten Schritt darauf zu setzen.
Transparenzhinweis: Dieser Artikel wurde mit Hilfe von Claude Code erstellt. Wer die Aufteilung der wahren Anteile erfahren will, kann dies in der Entwurfsnotiz einsehen. Intuitives_Schreiben_Entwurf.