Grundlagen unserer Realität 1 – Bezugssysteme, Beobachtung und Bewegung
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Ein ICE fährt am Garten vorbei
Wer kennt es nicht: Man sitzt im Garten und sieht in einiger Entfernung einen ICE 1 der Deutschen Bahn vorbeifahren. Zum Glück ist die Bahntrasse einen Kilometer entfernt. Der Lärm stört deshalb nicht mehr wirklich, und man kann sich „höheren“ Gedanken über die eigene Realität widmen. Etwa: Mit welcher Geschwindigkeit ist der Zug an mir vorbeigefahren? Wie es das Schicksal will, kennen wir die Antwort, denn unser Nachbar arbeitet bei der Bahn und hat uns erzählt, dass es sich hier um eine sogenannte „Langsamfahrstrecke“ handelt. Der ICE fährt nur 80 km/h.
Was ist an diesem banalen Beispiel so interessant?
Eine Kaffeetasse, die im ICE auf einem Tisch steht, bewegt sich von meiner Gartenlaube aus gesehen mit 80 km/h an mir vorbei. Für Personen, die im ICE auf ihren Plätzen sitzen oder still stehen, beträgt die Geschwindigkeit zur Kaffeetasse dagegen null. Der Abstand zur Tasse bleibt gleich, weil sich die Personen im ICE mit derselben Geschwindigkeit an mir vorbeibewegen wie die Tasse selbst.
Ein Autofahrer, der mit 60 km/h parallel neben dem ICE herfährt, würde nur eine Zuggeschwindigkeit von 20 km/h messen.
Für den Fahrer eines entgegenkommenden Autos, das ebenfalls mit 80 km/h unterwegs ist, hat der ICE dagegen eine Geschwindigkeit von 160 km/h.
Das Bezugssystem entscheidet über den Messwert
Was lernen wir daraus? Wir lernen, dass physikalische Messergebnisse nicht allein von dem gemessenen Ding an sich abhängen. Die Geschwindigkeit des Zuges und der Kaffeetasse in diesem Zug ist für unser Messergebnis nicht allein ausschlaggebend. Entscheidend ist, in welchem Bezugssystem ich mich befinde. Bin ich im ICE, also in dem System, das gemessen wird? Oder befinde ich mich außerhalb, etwa in meiner Gartenlaube, einen Kilometer von der Bahntrasse entfernt, oder in einem fahrenden Auto parallel zum Zug?
Hinzu kommt der Bewegungszustand: Fahre ich im Auto in dieselbe Richtung wie der ICE, oder komme ich ihm entgegen?
Wenn die Geschwindigkeit des Zuges aber immer eine andere ist, je nachdem, wo ich mich in Bezug auf den Zug befinde, dann scheint die Geschwindigkeit keine absolute Wahrheit zu sein, sondern nur ein unwichtiges und austauschbares Nebenprodukt unserer Alltagsrealität.
Keine ontologische Wahrheit
Ein Philosoph würde vermutlich sagen, dass die Geschwindigkeit des Zuges keine ontologische Wahrheit ist. „Vermutlich“ deshalb, weil ich nur vermute, dass Ontologie der passende Fachbegriff ist. Ich habe Gemini gefragt, was eine ontologische Wahrheit ist, und die Erläuterungen nicht vollständig verstanden. Soweit ich es begreife, ist die Ontologie die Lehre vom Sein, und eine ontologische Wahrheit wäre etwas, das tatsächlich besteht, unabhängig davon, wer es betrachtet.
Unser Gedankenexperiment zeigt deutlich: Die Geschwindigkeit eines Objektes scheint in der Kosmologie nicht wirklich etwas Wichtiges zu sein, denn es gibt anscheinend keine wahre Geschwindigkeit. Sie hängt immer von weiteren Bedingungen ab. Streng genommen kann man Geschwindigkeit nie schlechthin messen. Wer etwas misst, muss immer Bezugssystem und Bewegungszustand mit angeben, und das sind Dinge, die ich mit meinem Bewusstsein festlege.
Somit könnte man sagen: Die Geschwindigkeit der Kaffeetasse im Zug und deren Energie sind an sich kein unabhängiger, objektiver Tatbestand. Die gemessene Energie der Kaffeetasse hängt von meinem Bewusstsein ab. Mein Bewusstsein entscheidet, mit welcher Geschwindigkeit der Zug fährt, und je nach den Entscheidungen meines Bewusstseins besitzen der Zug und alles in diesem System eine entsprechende Energie.
Vom ICE zur gesamten Physik
Noch interessanter und brisanter wird es, wenn wir das Gedankenexperiment verallgemeinern. Die Geschwindigkeit gehört zur Physik und ist ein physikalischer Messwert, der sich mathematisch beschreiben lässt. Wir übertragen das Ergebnis daher auf die gesamte Physik und formulieren ganz allgemein:
Jeder physikalische Messwert ist für die Kosmologie irrelevant. Egal, was man in der Physik misst, es geschieht immer in Abhängigkeit von höherrangigen Bedingungen. Ändern sich diese Bedingungen, ändern sich auch unsere Messwerte. Denn die Messwerte der Physik, egal welche, bilden an sich keine objektive Wahrheit. Man kann sie vereinfacht als Schatten höherer Objekte und Prinzipien verstehen.
Wer also in der Kosmologie vorankommen und der Wahrheit auf die Spur kommen will, darf sich nicht mit unwichtigen Messwerten wie Geschwindigkeiten, Drehimpulsen, Entfernungen und Ähnlichem zufriedengeben. Man muss versuchen, an die echten Dinge heranzukommen, die unsere physikalischen Messergebnisse tatsächlich hervorbringen. Man sollte nicht nur auf den Schatten oder das Spiegelbild schauen, sondern das Objekt oder Prinzip finden, das den Schatten wirft oder das Spiegelbild verursacht.
Der Widerstand des Materialismus
Der Materialismus lehnt dies jedoch ab. Für den Materialisten ist die Geschwindigkeitsmessung beim ICE die Grundlage seiner Realität und seines Weltbildes. Er erkennt zwar Albert Einsteins Relativitätstheorie an und akzeptiert, dass die Kaffeetasse im ICE aus einem fahrenden Auto heraus anders gemessen wird. Er bestreitet jedoch, dass die Ursache unserer irdischen Alltagsrealität in übergeordneten Dingen zu suchen ist. Die gemessenen Werte genügen ihm, und er will nicht ergründen, was diese Messwerte hervorbringt. Damit verschließt er sich den Ergebnissen der Physik.
Vor allem bestreitet der Materialist, dass das Messergebnis „Geschwindigkeit des ICE“ von meiner eigenen bewussten Entscheidung als Beobachter des Zuges abhängt. Er will nicht wahrhaben, dass das Bewusstsein das eigentliche höhere Prinzip ist, das den Messwert für die Geschwindigkeit des ICE und der Kaffeetasse bestimmt und, konsequent zu Ende gedacht, die physische Realität um uns herum selbst definiert.
Philosophisch hat das eine weitreichende Konsequenz: Subjektives Erleben wie „vorne und hinten“, „oben und unten“ oder „warm und kalt“ wäre das Ergebnis eines Filterprozesses in unserem Gehirn. „Vorne und hinten“, „oben und unten“, „warm und kalt“ sind keine eigenständig existierenden ontologischen Wahrheiten. Unabhängig von einem bewussten Beobachter und dessen Beobachtung existieren diese Begriffe in der Realität überhaupt nicht.
Fährt der ICE auch, wenn ich nicht da bin?
Bis hierher scheint alles plausibel begründet. Warum dann der hartnäckige Widerstand der Materialisten? Um das zu verstehen, denken wir weiter.
Wenn mein Bewusstsein die physikalischen Messwerte des ICE definiert, der an meiner Gartenlaube vorbeifährt, was ist dann mit dem ICE selbst? Wenn seine Geschwindigkeit keine objektive, fundamentale Wahrheit ist, ist dann womöglich auch der ICE nicht objektiv und fundamental da? Um das zu klären, führen wir das Gedankenexperiment konsequent weiter und fragen: Würde der ICE auch dann an meiner Gartenlaube vorbeifahren, wenn ich nicht dort bin und ihn nicht beobachte? Denn das habe ich postuliert: Objektive Wahrheit hängt von einem Bewusstsein ab, das sich entscheidet, in ein Bezugssystem zu treten und eine Beobachtung vorzunehmen.
Wäre diese philosophische Schlussfolgerung richtig, dürfte der ICE nicht an meiner Gartenlaube vorbeifahren, wenn ich nicht da bin!
Diese Konsequenz lehnen wir zunächst ab, weil sie nicht mit unserer Alltagsrealität übereinstimmt. Mein Nachbar wird mir nämlich übermorgen bestätigen, dass der ICE morgen erneut zur selben Fahrplanzeit an meiner Gartenlaube vorbeigefahren ist, obwohl ich gar nicht da war.
Das Doppelspaltexperiment
Nehmen wir nun aber an, mein Nachbar hätte nicht recht. Stellen wir uns vor, die Elementarteilchenphysiker der Technischen Universität Berlin hätten von meinem philosophischen Gedanken erfahren und wollten ihn experimentell überprüfen. Sie würden die Bahnstrecke in meiner Abwesenheit beobachten und feststellen, dass tatsächlich kein Zug vorbeifährt.
Dieses Prinzip der Beobachtung ist in der Physik unter dem Begriff „Doppelspaltexperiment“ bekannt geworden, dort allerdings nicht mit Zügen, sondern mit Elementarteilchen.
Würde sich unsere Alltagsrealität so verhalten, dass kein Zug der Deutschen Bahn an meiner Gartenlaube vorbeifährt, wenn ich abwesend bin, stünde sie völlig auf dem Kopf, und der Materialismus und die materielle Natur wären entthront. Das eröffnet unglaubliche philosophische Deutungsmöglichkeiten, die auch unmittelbar mit unserem Leben zusammenhängen und es beeinflussen. Glück und Unglück in unserem Leben hängen davon ab, inwieweit wir das Doppelspaltexperiment verstehen und dann auch in unserem Leben anwenden können.
Bewusstsein, Bezugssystem und Bewegung
Die Geschwindigkeitsmessung am ICE und das Doppelspaltexperiment zeigen bereits eine Art „Dreieinigkeit“, auf die es bei objektiver Wahrheit ankommt:
- Bewusstsein
- Bezugssystem
- Bewegung
Diese drei Prinzipien sind die eigentlichen fundamentalen Wahrheitsträger, die alles andere hervorbringen. Dabei ist das Bewusstsein selbstverständlich das bedeutsamste. Aber ohne ein Bezugssystem und eine Bewegung ist das, was wir als Realität kennen, undenkbar. Bewusstsein, Bezugssystem und Bewegung sind die drei höheren Ordnungsprinzipien, die alles andere regeln und ordnen.
Definition von Wahrheit
Damit sind wir bei der Frage angekommen, was objektive Wahrheit meiner Meinung nach ist. Die meisten meiner Leser wissen, dass Pilatus Jesus vor dessen Tod fragte, was Wahrheit sei 2. Die konstantinische Kirche beantwortet diese Frage auch für uns und verweist dabei direkt auf Jesus 3.
In diesem Artikel habe ich Ihnen eine andere Antwort gegeben:
Ein Sachverhalt ist aus sich heraus wahr, wenn er unabhängig von einem Beobachter und dessen Beobachtung bestehen kann.
Alles andere ist nicht wahr und existiert in der Konsequenz nicht einmal, so wie unser „vorne und hinten“, „oben und unten“ und Ähnliches.
Dass dem tatsächlich so ist, versuche ich Ihnen in weiteren Beiträgen auf meiner Homepage zu verdeutlichen. Lassen Sie sich überraschen, ob es mir gelingt, Sie zu überzeugen.
Was wir in diesem Artikel gelernt haben
Wir haben anhand der Physik erkannt, dass unsere materielle Natur nicht die Ursache von Wahrheit und Realität ist. Die Messergebnisse in der Natur hängen davon ab, wie ein Bewusstsein sich entscheidet, sich in einem Bezugssystem zu positionieren, und welchen Bewegungszustand es im Hinblick auf den Effekt einnimmt, um den es uns geht.
Bewusstsein, Bezugssystem und Bewegung sind die einzigen wahren „höheren“ Prinzipien oder Werte, die alles andere bedingen. Wahre Realität ist nicht das, was wir mit unseren fünf Sinnen erleben können, und auch nicht das, was die Naturwissenschaft zu messen imstande ist.
Fußnoten: